Abfallmanagement, Zwischen- und Endlagerung (Back-End)

GRI 103: Managementansatz (103-1, 103-2, 103-3)

Relevanz

Bei der Stromproduktion aus Kernenergie fallen radioaktive Abfälle an. Als Aktionärin des KKG und des KKL übernimmt Alpiq gemäss ihrem Anteil einen Teil der Jahreskosten, wozu selbstverständlich auch die Kosten für Stilllegung und Entsorgung gehören. In beiden Anlagen hat der Schutz der Bevölkerung, der Mitarbeitenden und der Umwelt vor ionisierender Strahlung höchste Priorität. Dies beinhaltet auch den sicheren Umgang mit den radioaktiven Abfällen.

Managementansatz

Bei der Handhabung von radioaktiven Abfällen in Kernkraftwerken wird zwischen Betriebsabfällen sowie verbrauchten Brennelementen und Abfällen aus der Wiederaufarbeitung unterschieden. Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeitenden werden durch die konsequente Umsetzung der entsprechenden Vorschriften sichergestellt: Die Richtlinie ENSI-G15 definiert die für die Schweiz geltenden Strahlenschutz-Grenzwerte für Mitarbeitende und für die Bevölkerung in der Umgebung des Kernkraftwerks. Diese werden gemäss Richtlinie ENSI-B09 überwacht und gemäss Richtlinie ENSI-B03 an das ENSI gemeldet.

Betriebsabfälle (IAEA-Klassifizierung: schwach- und mittelradioaktive Abfälle, SMA):

Radioaktive Betriebsabfälle (Rohabfälle) fallen in einem Kernkraftwerk regelmässig aus den Wasserreinigungssystemen sowie der Abgas- und Fortluftreinigung an. Weitere Abfälle stammen aus dem Austausch von Komponenten bei Instandhaltungs-, Umbau- oder Nachrüstmassnahmen und den dabei verwendeten Verbrauchsmaterialien.

Die radioaktiven Rohabfälle werden gesammelt, kampagnenweise konditioniert und anschliessend zwischengelagert. Die in einem KKW vorhandenen, unkonditionierten Abfälle werden in dafür vorgesehenen Räumlichkeiten der kontrollierten Zone aufbewahrt.

Für die Konditionierung kommen in einem KKW folgende Verfahren zum Einsatz: Einbindung von Harzen in Polystyrol, Zementierung von Schlämmen oder Bindung in Bitumen. Brennbare und schmelzbare Rohabfälle beziehungsweise Abluftfilter werden für die Behandlung in der Plasma-Anlage des zentralen Zwischenlagers (Zwilag) in Würenlingen bereitgestellt. Für alle Verfahren in der Schweiz liegen die gemäss Kernenergieverordnung (KEV) und Richtlinie ENSI-B05 erforderlichen Typengenehmigungen vor. Die konditionierten Abfallgebinde werden routinemässig entweder in einem werkeigenen Zwischenlager oder im Zwilag eingelagert.

Die radioaktiven Abfälle der Schweizer KKW sind in einem von allen schweizerischen Kernanlagen eingesetzten elektronischen Buchführungssystem erfasst, sodass die Informationen über Menge, Lagerort und radiologische Eigenschaften jederzeit verfügbar sind. Ein wichtiges Element bei der Minimierung der radioaktiven Abfälle ist die Inaktiv-Freimessung von Materialien aus der kontrollierten Zone.

Brennelemente und Abfälle aus der Wiederaufarbeitung (IAEA-Klassifizierung: hochradioaktive Abfälle, HAA):

Nach deren endgültiger Entladung aus dem Reaktorkern werden ausgediente Brennelemente zwecks Abkühlung für mehrere Jahre im werkeigenen Nasslagerbecken gelagert. Während dieser Zeit klingt die Wärmeleistung signifikant ab, sodass die Brennelemente anschliessend in Zwischenlagerbehältern optimal eingelagert werden können. Diese Lagerbehälter werden gemäss internationalen Standards gebaut und in der Schweiz gemäss ENSI-Richtlinien ENSI-G04 und ENSI-G05 lizenziert und eingelagert. Die aktuell gültige Richtlinie HSK-R-29 wird bald durch die Richtlinie ENSI-G04 abgelöst. Die beladenen Behälter werden ins Zwilag transportiert und dort eingelagert. Im Berichtsjahr fanden folgende Transporte aus dem KKG und dem KKL ins Zwilag statt.

Anzahl Transporte von radioaktiven Materialien aus den Kernkraftwerken ins Zwilag.

Anzahl Transporte

SMA

HAA / Brennelemente

Kernkraftwerk Gösgen

2

 

Kernkraftwerk Leibstadt

9

3

Die Schweizer Vorschriften für den Transport radioaktiver Stoffe auf Strasse und Schiene basieren unter anderem auf den internationalen Regelwerken über den Transport gefährlicher Güter auf der Strasse (ADR) beziehungsweise mit der Eisenbahn (COTIF). Bei allen Verkehrsträgern kommen die IAEA-Empfehlungen für die sichere Beförderung radioaktiver Stoffe zur Anwendung (IAEA SSR-6).

Der Umgang mit Wasser respektive Abwasser wird für jedes Kernkraftwerk spezifisch in Abgabereglementen festgelegt, die durch das ENSI geprüft und freigegeben werden. Die Abgabedaten für 2019 und 2020 sind beim ENSI öffentlich abrufbar (ANPA-EMI-Daten).

Beurteilung

Um die Konsistenz mit den Angaben im ENSI-Aufsichtsbericht 2019 zu wahren, beziehen sich die folgenden Angaben auf das Kalenderjahr 2019. Die Angaben für das Kalenderjahr 2020 werden vom ENSI erst Mitte 2021 publiziert.

2019 wurden alle Strahlenschutzgrenzwerte eingehalten und somit die Sicherheit und die Gesundheit der Mitarbeitenden gewährleistet. Das Ziel der sicheren Handhabung der radioaktiven Abfälle wurde erreicht.

Die im KKG und im KKL angefallenen Abfälle sind in der nachfolgenden Tabelle aufgelistet. 2019 wurden keine langlebigen mittelaktiven Abfälle (LMA) und auch keine hochaktiven Abfälle (HAA) aus der Wiederaufarbeitung von abgebrannten Brennelementen zurück in die Schweiz transportiert. Alle Verpflichtungen in Bezug auf die Rücknahme von Abfällen aus der Wiederaufarbeitung wurden erfüllt.

Nukleare Daten bezüglich Back-End im Jahr 2019 (diese Daten beziehen sich auf die gesamte Menge und sind nicht gemäss Anteilen der Beteiligungen skaliert).

 

SMA unkonditioniert in m 3

SMA konditioniert in m 3

LMA in m 3

HAA in m 3

Entladener Brennstoff in t

Ins Zwilag transportierter Brennstoff in t

Kernkraftwerk Gösgen

17

10

-

-

24,8

-

Kernkraftwerk Leibstadt

55

11

-

-

33

63,2

Kein Schweizer Kernkraftwerk mit Alpiq Beteiligung hat eine wesentliche Erwärmung eines Gewässers zur Folge. Sowohl KKG als auch KKL werden über die Kühltürme und nicht über die angrenzenden Flüsse gekühlt. Das Wasser in den Kühltürmen stammt aus den Flüssen und die Wiedereinleitung von Kühlwasser führt zwar etwas Wärme ein, aber nicht auf signifikante Weise. Bei heissem Sommerwetter mit sehr hohen Flusstemperaturen reduzieren die Kernkraftwerke ihre Leistung, um unter den gesetzlichen Grenzwerten zu bleiben.

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